Urlaub am Gardasee: Das Ostufer
Altstadtgassen und Vergnügungsparks
Die Olivenriviera könnte ebenso gut Weinriviera heißen.
Beim viergeteilten See beginnt das Ostufer dort, wo die Autofähre anlegt, in Torri del Benaco, und erstreckt sich über Garda, Bardolino und Lazise bis an den Südostzipfel bei Peschiera. Olivenriviera wird dieser Teil des Sees genannt, ein Begriff, der ganz wunderbar passt: So weit das Auge reicht, flirren die silbrigen Blätter im goldenen Sonnenlicht. Zugegeben, Weinriviera hätte der Uferabschnitt auch heißen können, denn wo gerade keine Olivenplantage mit Trockenmäuerchen und Steinterrassen angelegt wurde, wächst bestimmt eine Weinrebe. Genau genommen werden die Olivenbäume sogar immer weniger, denn die Arbeit des Olivenerntens ist so mühsam, dass sich kaum noch junge Leute finden, die diese verrichten möchten. Mit bis zu 8 m langen Leitern – aus einem einzigen Baumstamm gefertigt – muss man in die Baumkrone steigen, die Oliven von den Ästen abstreifen und sie dann aus den netzen auflesen, die auf dem Boden ausgebreitet liegen. Wie viel einfacher ist es dagegen, Eisbecher zu servieren …
Von ganz vereinzelten Übernachtungsbetrieben, die Poststionen waren, gab es auf dieser Seeseite bis in der Mitte des 20. Jhs. Praktisch keine Hotels. Erst in den Sechzigerjahren flutete der Strom des schon damals vorwiegend deutschen Touristen gen Süden. Der Gardasee war damals tiefstes Italien, Deutsch sprach hier höchstens jemand, der auef Heimaturlaub war – die ersten Gastarbeiter in Deutschland waren schließlich Italiener, und viele kamen aus dem ländlichen norditalienischen Raum.
In manch einfacherem Hotel kann man noch nachempfinden, wie der Urlaub in den Sechzigerjahren in Italien gewesen sein muss: Ein (glücklicherweise meist kleiner) Hotelklotz wurde in bester Lage direkt an den See gebaut. Es gab fließend kaltes und sogar warmes Wasser im Zimmer, Etagenduschen und deutschen Kaffee zum Frühstück. Selbstverständlich findet man heute an der Olivenriviera auch luxuriöse Unterkünfte. Zwar nicht in alten Grandhotels, wie am gegenüberliegenden Ufer, sondern in modernen Anlagen, die dafür aber Swimmingpools und Beautyfarmen, Tennisplätze und Zimmer mit riesigen Bädern verfügen. Um so zu wohnen, müssen Sie allerdings den Ortskern verlassen. Denn die Städte am Ufer sind zu klein, um Platz für solche Hotels zu bieten. Torri del Benaco gruppiert sich dicht um den alten Hafen, Garda geht schon etwas mehr in die Breite, aber auch hier ist der Raum begrenzt. Bardolino ist der größte Ort hier; das kleine Seedorf Lazise bildet den geruhsamen Abschluss der Gardesana Orientale.
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