Urlaub am Gardasee


Während ruheliegende Urlauber eher das Westufer ansteuern werden, fühlt man sich in Bardolino und Garda wohl, wer abends lange unter Menschen sein möchte. In den Gassen der Altstädte ist es dann fast voller als tagsüber, und bis Mitternacht sieht man sogar kleine, blonde Kinder noch mit einer Eistüte in der Hand. Hier dürfen sie mal "bambini" sein und so lange aufbleiben wie die italienischen kinder scheinbar andauernd. Junge Erwachsene werden das Südufer anlaufen, wenn sie auf richtiges Nightlife stehen. In der umgebung von Desenzano locken einige der größten Diskotheken Italiens.

Wer es im Urlaub sportlich liebt, wird in den Norden fahren; das dortige Ufer scheint manchmal ein einziger großer Abenteuerspielplatz zu sein. In den steilen Tälern und wilden Bächen des Trentino haben das Kajakfahren sowie Schwimmen, Surfen, Segeln Tradition. Nun ist noch das Rafting hinzugekommen. Wem all das nicht reicht, versucht es vielleicht gar mit Canyoning. In Neoprenanzüge verpackt und mit Helm und Schwimmweste versehen, stürzen sich Abenteuersportler in Schluchten hinab - unter professioneller Leitung, hoffentlich. Sogar das Tauchen hat Saison am See: Mit Glück - oder einem Führer - stößt man auf versunkene Galeeren aus der Zeit der venezianischen Herrschaft; außerdem kann in 15 m Tiefe in der Nähe von Riva die Statue Cristo Silente bestaunt werden. Auch im Gemeindegebiet von Brenzone wartet eine Unterwasserstatue auf Besucher: Unlängst wurde eine 3 m große Madonnenfigur in den See versenkt.

Mountainbiker und Wanderer durchkämmen die Berghänge; wo sie nicht mehr weiterkommen, hängen Sportkletterer an senkrechten Wänden, zum Teil sogar direkt über dem See. An Sommerwochenenden veranstalten die Fremdenverkehrsämter der Olivenriviera Ausflüge und geführte Touren auf den Monte Baldo, an manchen Wochenenden auch in deutscher Sprache. Es gibt botanische Ausflüge, Touren zu kirchlichen Festen und Vollmondwanderungen. Und auf dem See ficht die Armada der Surfer ihre Kämpfe gegen den oder mit dem Wind, vom Ufer aus lässt sich das nicht immer so einfach unterscheiden. Die steilen Berge wirken wie eine Düse, durch die die Winde regelmäßig pusten.
Dass der Gardasee so viele Möglichkeiten zu körperlicher Betätigung bietet, hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann abends riesige Mengen von Pasta vertilgen, schließlich hat man einige Kalorien abgearbeitet. Das ist ein Glück, denn am Gardasee isst man vorzüglich (wenn man allzu touristische Lokale, oft direkt am Hafen gelegen, meidet). Sei es ein aufwändiges Menü in einem der Feinschmeckerlokale in Saló oder schlicht eine Gardaseeforelle vom Grill. Auch wenn die Touristenscharen am Gardasee nicht weniger werden - die Küche wird besser. Mag sein, dass sich wieder mehr Köche und Köchinnen auf ihre Wurzeln, also die Gerichte der „mamma“, besinnen. Sicher ist aber auch, dass die Nachfrage das Angebot verändert hat.

Immer mehr deutschsprachige Urlauber verlangen eine genuine Küche, alte Gardaseerezepte und frische Zutaten. So jedenfalls erzählen es viele Köche, die, man traut seinen Ohren kaum, am liebsten für deutsche Gäste kochen. Die würden sich mehr Zeit nehmen fürs Essen, ist zu hören.

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